Unterschied zwischen Lobpreis und Anbetung

// Gastbeitrag zum Unterschied zwischen Lobpreis und Anbetung von Helmut Richert

Lobpreis und Anbetung
Alles was atmet soll den Herrn loben! ~ Psalm 150:6

Gibt es einen Unterschied zwischen Lobpreis und Anbetung oder ist so eine Unterscheidung nur fromme Haarspalterei? Dieser Artikel soll kurz verdeutlichen, dass es einen Unterschied zwischen Lobpreis und Anbetung gibt. Der Artikel zeigt nicht alle Unterschiede auf, sondern nur einige wenige, die aber ausreichen, um zu erkennen, wie grundsätzlich sich diese beiden Begriffe von einander unterscheiden.

Als Jesus am Palmsonntag in Jerusalem einzog, bejubelte ihn eine große Menschenmenge mit großer Lautstärke (Lk 19:37). Es steht sogar geschrieben, dass sie „schrieen“ (Mt 21:9), und der Inhalt ihres Lobpreises war dieser:

Gepriesen sei der König, der da kommt im Namen des Herrn! Friede im Himmel und Ehre in der Höhe! (Lk 19:38)

Sie haben lautstark Jesus als den kommenden König bejubelt. Den religiösen Leitern der damaligen Zeit waren diese exzessive Freude und die lautstarke Lobpreisungen sehr suspekt und sie sagten zu Jesus, er solle diese Menschen doch zurechtweisen (Lk 19:39). Aber Jesus antwortet ihnen: Wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien! (Lk 19:40). Jetzt kommt aber das Interessante an der ganzen Episode: In den nächsten Versen weint Jesus um die Stadt und um die ganzen Menschen, die ihn bejubeln und sagt, dass sie ihn nicht als den wahren König des Friedens erkannt hätten (Lk 19:41 – 44) – obwohl sie ihn wenige Minuten vorher lautstark als König priesen. Jesus selber bezeugt, dass die Menschenmenge, die ihm zujubelt, dies nicht aus den richtigen Motiven und Absichten tut und auch gar nicht verstanden hat, was für ein König er ist. Warum hat er die Menschenmenge dann nicht getadelt, wie die religiösen Leiter das von ihm verlangten? War der Lobpreis der Massen „echt“ oder nicht?

Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Es spielte keine Rolle. In Psalm 150:6 ist ganz deutlich gesagt, von wem Gott Lob erwartet: Alles was atmet soll den Herrn loben. Es spielt keine Rolle, wie echt oder wie unecht der Lobpreis ist. Wenn die religiöse Echtheitspolizei kommt, um zu testen, ob das alles auch „theologisch korrekt“ abläuft, dann wird sie von Jesus einen Tadel bekommen, denn alles, was atmet muss Gott loben, egal ob sie es verstanden haben oder nicht. In Psalm 148 lesen wir, dass die gesamte Natur und das Weltall Gott loben soll. Da steht auch, dass der Walfisch Gott loben soll (Ps 148:7) und ein Walfisch wird ganz sicher nicht die richtige Theologie über Jesus als König haben. Trotzdem soll er Gott loben. Wenn Du dich Christ nennst, und du ein Problem mit Lobpreis oder vielleicht mit lautem Lobpreis hast, dann sollst Du wissen, dass das Wort Gottes dir widerspricht und Gott eine ganz andere Meinung zu dem Thema hat. Wenn Lobpreis für dich eine Angelegenheit bestimmter Denominationen ist, dann widerspricht dein Denken dem Wort Gottes. Ohne Bedingung muss alles was atmet Gott loben!

Im Gegensatz dazu verhält es sich mit Anbetung völlig anders. Jesus sagt, dass – im Gegensatz zum Lobpreis – bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein Mensch Gott anbeten kann:

Gott ist Geist, und die ihn anbeten müssen in im Geist und in der Wahrheit anbeten! (Jh 4:24)

Die zwei Bedingungen, die Jesus hier nennt sind „im Geist“ und „in der Wahrheit“. Wenn diese Bedingungen in deinem Leben nicht erfüllt sind, dann kannst du Gott nicht anbeten. Gott anbeten ist daher etwas völlig anderes, als ihn zu loben. Während Lobpreis in der Bibel fast immer mit Gesang, Lautstärke und Musik in Verbindung steht, steht Anbetung nur manchmal in diesem Kontext. Anbetung steht dagegen im Kontext mit Aufopferung, Selbstverleugnung und Demut: Als Gott Abraham testen will und ihn auffordert, seinen Sohn als Opfer zu bringen, bezeichnet Abraham dies als „anbeten“ (Gen 22:5). Weiterhin steht der Begriff „Anbetung“ immer auch im Kontext mit der Gotteserfahrung oder Gottesbegegnung. Deswegen sagt Jesus in Johannes 4:24 auch zuerst, dass Gott ein Geist ist und wir „im Geist“ sein müssen um ihn anzubeten. Das bedeutet unter anderem, dass wir uns auf Gottes transzendente Ebene begeben müssen, um ihm zu begegnen. Wir erfahren aus dem Wort Gottes auch, dass Anbetung immer etwas mit Demut zu tun hat und dies durch körperliche Haltung nach außen hin sichtbar gemacht wird: Niederfallen, den Kopf beugen und sich hinknieen (Gen 24:26, Ex 4:31, Ex 12:27, Ex 34:8, Offb 22:8, Offb 19:4 und viele mehr). Während beim Lobpreis die Hände nach oben gehoben werden und die Stimme erhoben wird, hat die Anbetung eine andere Richtung: nach unten, in den Staub. Denn wir müssen in Wahrheit anbeten und die Wahrheit ist, dass wir Menschen sind und Gott alleine Gott ist und dass wir von seiner Gnade abhängig sind und dass er uns Gnade geben wird, wenn wir uns demütigen. In der Bibel werden noch weitere Aspekte und Beschreibungen für Anbetung benutzt, aber sie alle zu erklären würde den Rahmen dieses Textes sprengen.

Die hier aufgeführten Aspekte sollen exemplarisch den Unterschied zwischen Lobpreis und Anbetung verdeutlichen. Lobpreis ist voller Freude, Lautstärke und nach oben gerichtet, beim Lobpreis spielt der Zustand des Menschen keine Rolle, es dreht sich alles nur um Gott. Anbetung dagegen ignoriert den Zustand des Menschen nicht, hier wird vom Menschen etwas gefordert, er muss sich vorbereiten um dem heiligen und allmächtigen Gott zu begegnen. Anbeten können nicht alle, Loben dagegen sollen alle.

Helmut Richert

Helmut Richert

Zur Person:
Helmut Richert, Jahrgang `77, ist Ältester in der Christengemeinde Hütte Davids (www.erweckt.de). Dort leitet er unter anderem die oft sehr ausgedehnten Lobpreiszeiten, die manchmal bis zu 2 Stunden dauern können. Mehr Infos und Lehre gibt es auf seinem persönlichen Blog hrichert.de.

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