Liebeserklärung an Gott

Wie kann ich in meinem Jugendkreis auf kreative Art und Weise Gott anbeten?
// Gastbeitrag zum Thema Anbetung von Daniel Harter

Ein Volk das das Danken verlernt hat:
Wir haben es in Deutschland nicht leicht. Wir sind ein Volk, dem es schwer fällt, dankbar zu sein, sich an etwas zu freuen oder ausgelassen zu feiern. Aber genau das ist es, worum es in der Anbetung geht: Gott feiern und unseren Dank ihm gegenüber aus zu drücken. Die „Lobpreis-Welle“, die seit einigen Jahren von England, USA und Australien auch nach Deutschland überschwappt, läßt sich hier irgendwie nicht einfach eins zu eins so umsetzten wie in anderen Ländern. Wir sind es in unseren Gemeinden gewohnt, das „Lieder singen“ mehr als Lückenfüller zu benutzen, um die Zeit zwischen den Bekanntmachungen und der Predigt zu überbrücken. Und nun ein Verständnis dafür zu schaffen, das es hier um mehr geht, ist gar nicht so einfach.

Startschwierigkeiten:
In den meisten Gemeinden, in denen man versucht hat „modernen Lobpreis“ durch zu setzen, ist es daran gescheitert, dass man sich nur über englisch sprachige Texte, über die Lautstärke und das Schlagzeug gestritten hat. Dabei geht es doch gar nicht darum, sondern viel mehr um „das Herz der Anbetung“ wie es Matt Redman in seinem Song „Heart of Worship“ genannt hat. „Ich komme zurück zum Herz der Anbetung, wo es nur um dich geht, Jesus“ singt er im Refrain. Und genau das ist es: Egal welcher Musikstil, egal ob englisch oder deutsch – die Frage ist die Haltung meines Herzens Gott gegenüber.
Die Frage ist nun: Wie kann ich als Leiter einer Jugendarbeit in solch einer deutschen Gemeinde es schaffen, die Jugendlichen zu diesem „Herz der Anbetung“ zu führen? Hier zu einfach ein paar Tipps aus der Praxis eines Anbetungsleiters:

Der Leiter muss brennen:
Was wir uns als Anbetungsleiter immer wieder bewußt machen müssen, ist das Ziel das wir verfolgen. Wir wollen, dass die Menschen aus tiefstem Herzen Gott loben und anbeten. Es geht also vorrangig nicht um eine perfekte Performanz oder eine gute Show, sondern darum, leidenschaftliche Liebe für Gott zu entfachen. Und wir als Leiter setzen da den Maßstab. Unsere Aufgabe ist es als Vorbild voran zu gehen und mit unserer Leidenschaft für Jesus die anderen mit zu reißen. Das heißt also: Einen großen Teil der Vorbereitungszeit sollten wir damit verbringen, unsere persönliche Beziehung zu Gott zu pflegen und uns selbst vor Augen zu halten, warum und wofür wir Gott loben.

Die Liedwahl:
Es ist komisch, aber wenn ich mir die Texte vieler Lieder anschaue, dann kommt in diesen Gott erschreckend selten vor. Oft geht es um mich, oder was ich von Gott haben möchte. Wenn wir aber unser Ziel konsequent verfolgen wollen, dann müssen wir darauf achten, dass die Lieder, die wir singen, eine Aussage haben: „Gott, wir loben dich!“ Und wichtig ist natürlich auch, dass die Leute verstehen, was sie da singen. Da helfen weder Lieder im Altdeutsch noch komplizierte englische Lieder. Deshalb würde ich immer eine Übersetzung der Lieder empfehlen.

Den Einzelnen mit einbeziehen:
Wenn es darum gehen soll, dass der Einzelne Gott von Herzen anbetet, dann muss er dazu herausgefordert und mit einbezogen werden. Gebetsgemeinschaften und Zeiten in denen man erzählen kann, was man mit Gott erlebt hat, sind unglaublich wichtig. Gott hat jedem einzelnen verschiedene Gaben gegeben und wenn es uns gelingt, diese in solch einen Abend mit ein zu beziehen, dann wird es eine bunte Sache.

Was Praktisches an die Hand:
Damit du gleich etwas Praktisches an der Hand hast, ist hier mal ein einfacher Entwurf, wie ein Lobpreis Abend aussehen könnte. Die Lieder müssen natürlich von dir eingesetzt werden, denn nur du weißt, welche Lieder in deiner Gemeinde bekannt sind und mit welchen Liedern Gott in deiner Gemeinde schon Geschichte geschrieben hat.

  • 20:00 Uhr: Aufwärm-Lieder: Die Leute sollen ankommen können und Spass an der Musik haben.
  • 20:10 Uhr: Einen Psalm oder einen Bibeltext lesen und diesen anschließend mit einem Vortragslied unterstreichen. Wenn möglich den Text per Beamer an die Wand werfen und mit passenden Bildern untermalen.
  • 20:18 Uhr: Zwei Lobpreislieder, die den Zuhörer dahin führen, auf Gottes Reden vorbereitet zu sein.
  • 20:28 Uhr: Mini-Input: Die Zuhörer müssen wissen, warum und wofür sie Gott loben können. In einem kurzen Input soll es nur darum gehen, von der Größe Gottes zu schwärmen. Wenn die Zuhörer keinen Grund sehen, warum sie Gott loben sollen, werden sie es auch nicht tun.
  • 20:35 Uhr: Bis das Gehörte ins Herz dringt, dauert es eine Weile. Durch ein Musikvideo, eine mit Musik untermalte Powerpoint Präsentation mit Gottes wunderbarer Schöpfung oder einer kurzen Zeit der Stille, ist Zeit über das Gehörte kurz nach zu denken.
  • 20:40 Uhr: Der Kern des Abends: Vier Anbetungslieder die sich Inhaltlich auch wirklich nur mit der Anbetung Gottes befassen. Dazwischen darf es ruhig fließende Übergänge oder längere Instrumentalstücke geben.
  • 21:00 Uhr: Gebet und Austausch in Kleingruppen. Es fällt nicht immer leicht, aber es ist doch immer eine sehr bereichernde Erfahrung, wenn man mit anderen teilt, was einem auf dem Herzen liegt. Viele trauen sich nicht, in einer großen Runde zu beten oder von dem zu erzählen, was sie mit Gott erlebt haben. Je nach Gruppengröße ist es sinnvoll jede Gruppe mit einem Mitarbeiter zu bestücken, der die Kleingruppe leitet.
  • 21:15 Uhr: Zwei Lieder: Ein ruhiges zum Anfang um Gruppen die evl. noch beten nicht unnötig zu beschallen. Die Lieder sollten inhaltlich von Hingabe und meiner Reaktion auf die Zeit mit Gott geprägt sein.
  • 21:23 Uhr: Abmoderation
  • 21:25 Uhr: Ein fetziges und fröhliches Lied zum Schluß. Wir haben Grund zu feiern und das sollte man auch merken!
  • 21:30 Uhr: Ende. Lobpreisabenden tendieren eher dazu, Überlänge zu haben als zu kurz zu sein. Deshalb ist ein ungefähres Zeitraster immer ganz wichtig, auch wenn man sich dennoch nicht zu sehr daran binden und Gott den Freiraum lassen sollte, den Abend auch kurzfristig noch so umzugestalten wie es ihm gefällt.

Auf den Punkt gebracht:
Am aller wichtigsten ist es, die Leute selbst in Bewegung zu bringen. Es soll keine gelungene Show werden, sondern das Ziel des Abends ist, dass jeder Anwesende selbst zu Gott sagt: „Ich liebe dich und ich verehre dich!“ Ein durch strukturiertes und abwechslungsreiches Programm kann das dem Einzelnen nicht abnehmen. Gott anbeten, das muss jeder selbst. Ein gut durchdachter Abend kann lediglich dazu beitragen, dass es den Leuten einfacher fällt, in Gottes Gegenwart zu kommen. Und aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Man kann gar nicht genug Aufwand treiben, um einen genialen Lobpreis abend auf die Beine zu stellen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Wir schaffen eine Plattform auf der Menschen Gott begegnen können und von ihm verändert werden können. Und das ist alle Mühe wert, denn es verändert das Leben eines Menschen für alle Ewigkeit!

Daniel Harter, Echtzeit
Zur Person:
Daniel Harter ist Jahrgang ’79 und arbeitet als freiberuflicher Musikmissionar in Gummersbach. Als Frontmann der Band „ECHTZEIT“ und als Referent und Lobpreisleiter ist er in vielen Gemeinden Deutschlands unterwegs. Weitere Infos: Daniel Harter Website, Echtzeit Bandseite

Tags: , , , ,

Leave a Reply